LOST ?.

LOST?. ist ein fotografisches Projekt über Arbeit, Fortschrittsgläubigkeit und den schleichenden Bedeutungsverlust des Menschen in spätindustriellen Gesellschaften. Ausgangspunkt sind eigene Fotografien aus den letzten aktiven Steinkohlezechen des Ruhrgebiets, entstanden in den 1980er Jahren – das Werkkonzept wurde 2026 entwickelt. Dabei werden die Bilder nicht als historische Dokumente gelesen, sondern bewusst als visuelles und historisches Sprungbrett für eine gegenwärtige Fragestellung genutzt.​

​Im Zentrum steht die Beobachtung, dass mit dem Verschwinden von Arbeit nicht nur Produktionsformen, sondern auch soziale Rollen, Selbstbilder und gesellschaftliche Anerkennung verloren gehen. Fortschritt erscheint dabei weniger als menschlicher Gewinn denn als abstrakte, ökonomisch und technologisch getriebene Bewegung, deren soziale Folgen häufig nachrangig behandelt werden.

Die Fotografien verweigern eine nostalgische oder heroische Erzählung. ​
Sie zeigen Arbeit als Zustand, Körper als Träger von Funktion und Gesichter, deren Bedeutung sich dem schnellen Zugriff entzieht. Die bewusste Präsentation der Arbeiten als Negative unterstreicht den brüchigen Charakter von Erinnerung und verweigert eine eindeutige historische Lesart.​

​Der Titel LOST?. verweist auf diese Ambivalenz. Das Fragezeichen markiert Zweifel und Offenheit, der abschließende Punkt hingegen suggeriert Endgültigkeit. So stellt das Projekt die Frage, welche Rolle Arbeit, Würde ​
und menschliche Bedeutung in einer Gesellschaft spielen, deren Fortschrittsverständnis zunehmend von technologischer und ökonomischer Effizienz bestimmt wird.​

​Der aktuelle Projektfundus umfasst ca. 30–40 Arbeiten.​
Die Fotografien wurden 2026 u. a. im Rahmen der Portfolio-Parade der ​
MIA-Fotomesse, Mailand, ausgezeichnet.